IL KINO Berlin

Great movies in small cinema and cosy bar

Körper und Seele (OmU)

Drama by Ildikó Enyedi · 116 mins · Hungary, 2017
OmU – Ungarisch mit Deutschen subtitles

GOLDEN BEAR FÜR BESTE FILM
BERLINALE 2017

English

A slaughterhouse in Budapest is the setting of a strangely beautiful love story. No sooner does Mária start work as the new quality controller than the whispers begin. At lunch the young woman always chooses a table on her own in the sterile canteen where she sits in silence. She takes her job seriously and adheres strictly to the rules, deducting penalty points for every excessive ounce of fat. Hers is a world that consists of figures and data that have imprinted themselves on her memory since early childhood. Her slightly older boss Endre is also the quiet type. Tentatively, they begin to get to know each other. Recognising their spiritual kinship, they are amazed to discover that they even have the same dreams at night. Carefully, they attempt to make them come true. This story of two people discovering the realm of emotions and physical desire, at first individually and then together, is tenderly told by director Ildikó Enyedi, but in a way that also exudes subtle humour. A film about the fears and inhibitions associated with opening up to others, and about how exhilarating it can be when you finally do.

For her eighth theatrical feature British director and screenwriter Sally Potter, who last took part in the Berlinale Competition with Rage in 2009, has invited a stellar cast to join her party. Beginning as a subtly witty comedy replete with sharp-tongued dialogue, the film later veers off into tragedy. When life can no longer be controlled by reason, people will fight tooth and nail to protect their seemingly stable existence.

Deutsch

Ein Schlachthaus in Budapest wird zum Schauplatz einer seltsam schönen Liebesgeschichte. Mária tritt eine Stelle als Qualitätsprüferin an und sofort wird getuschelt: Beim Mittagessen wählt die junge Frau in der kargen Kantine stets den Tisch, an dem niemand sitzt, und schweigt in sich hinein. Bei der Arbeit ist sie streng, hält sich strikt an die Vorschriften, jedes Gramm Fett zu viel wird mit Punktabzug geahndet. Ohnehin scheint ihre Welt aus Zahlen und Daten zu bestehen, die sich seit frühester Kindheit in ihr Gedächtnis einbrennen. Auch der etwas ältere Endre, ihr Vorgesetzter, ist eine eher verschlossene Persönlichkeit. Zaghaft gehen sie aufeinander zu, erkennen ihre Seelenverwandtschaft und stellen verwundert fest, dass sie nachts die gleichen Träume haben. Vorsichtig versuchen sie, diese in die Wirklichkeit zu überführen. Zärtlich, aber auch mit hintergründigem Humor erzählt Ildikó Enyedi von der Begegnung zweier Menschen, die zunächst jeder für sich und dann miteinander die Welt der Gefühle und des körperlichen Begehrens entdecken. Es geht um die Schwierigkeit und die Angst, sich zu öffnen; um das Glücksgefühl, wenn man sich schließlich auf einen anderen Menschen einlässt.

In ihrem achten Kinofilm lädt die britische Regisseurin und Drehbuchautorin Sally Potter, die zuletzt 2009 mit Rage im Wettbewerb der Berlinale vertreten war, namhafte Akteure zur Party. Was als Komödie mit hintersinnigem Witz und scharfen Dialogen beginnt, kippt in die Tragödie. Wenn dem Leben mit Argumenten nicht mehr beizukommen ist, wird unversehens um den Fortbestand der nur scheinbar gefestigten Existenzen gerungen.